Vielen Dank an meine Nicht-Sponsoren

Ich habe enormen Respekt vor Menschen, die Dinge entstehen lassen – sei es als Gründer, Künstler, Mitarbeiter oder Handwerker. Wo vorher nichts war, ist dank ihnen etwas. Zum Beispiel ein Fahrrad und eine Ausrüstung, mit denen sich innerhalb von drei Wochen ganz Frankreich durchqueren lässt.

Nichts ist selbstverständlich, auch nicht das Material, dem wir unsere Abenteuer in der Natur zu verdanken haben. Damit es das Licht der Welt erblicken kann, zerbrechen sich Menschen den Kopf. Sie nehmen Risiken, Rückschläge und Anstrengung auf sich, um Produkte zu verwirklichen, die solche  Erlebnisse ermöglichen. In meiner Ausrüstung stecken ihre Kreativität, ihr Handwerk, ihr Wissen, ihre Lebenszeit. Irgendwie ein Stück von ihnen selbst. Und man muss kein gesponserter Vollprofi sein, um dieses Material nutzen zu dürfen. Man kann es einfach kaufen. Ich finde das außerordentlich bemerkenswert. Dafür möchte ich mich bedanken. Liebe Menschen bei…

Ortlieb:

Seit ich mit euren Bikepacking Taschen unterwegs war, frage ich mich ein bisschen, warum ich eigentlich noch eine Wohnung habe. Alles, was ich zum Glücklichsein brauche, lässt sich offenbar in fünf Fahrradtaschen verpacken und an ein Rennrad schnallen. Ich war drei Wochen auf dem Fahrrad und haben NICHTS vermisst. Ich habe jeden einzelnen Gegenstand genutzt, und wusste stets, wo er sich gerade befindet. Das ist ein extrem befreiendes Wissen. Genauer gesagt beschert es genau den Freiraum, den es braucht, damit Kreativität gedeiht und der Moment ungehindert in das Bewusstsein fließen kann.

Komoot:

Meine Reiseplanung für eine komplette Frankreich Durchquerung sah ungelogen so aus: Wähle ein Ziel aus: Plum Village  // wähle eine Sportart: Rennrad // Offline verfügbar: Ja // Navigation: Starten. Mit einem Aufwand von 30 Sekunden konnte ich mir sicher sein, drei Wochen lang zuverlässig navigiert zu werden. Ich habe euch blind vertraut, und ich wurde nicht enttäuscht. Es tut mir fast ein bisschen im Herzen weh, dass ihr mein geliebtes Studium abgegriffener Landkarten so überflüssig macht. Aber abends im Schlafsack noch ein paar Alternativen in euren Routenplaner einzugeben, Höhenprofile zu vergleichen und sich durch die Landschaft zu zoomen kommt dem ohnehin recht nahe und ist obendrein eine hervorragende Ablenkung bei akuter Wildcamping-Angst.

Ergon:

ich halte ja nichts von frauenspezifischen Fahrrädern. Aber bei Sätteln ist das was anderes: das Argument, dass Frauen „statistisch gesehen“ eine Vagina haben, leuchtet mir ein. Ob meine Beinlänge oder mein Bizeps-Durchmesser nun typisch weiblich sind, wage ich zu bezweifeln – aber was meine Geschlechtsteile angeht, bin ich ziemlich sicher Durchschnitt. Ich kenne das Gefühl einer tauben Klitoris genauso wie das wundgesessener Schamlippen. Andere nennen das „spezielle weibliche Bedürfnisse“ oder „Beschwerden untenrum“. Ihr nennt die Dinge beim Namen und baut deshalb  Frauensättel, die passen. Seit Jahren werde ich von eurer unermüdlichen Entwicklerin bei jeder Gelegenheit um ehrliches Feedback gebeten („ich bin so gespannt, wie du ihn eingestellt hast!“), und wenn nötig auch drei Mal daran erinnert ihre Fragebögen auszufüllen. Eure Frauen-Sättel (sowohl für das Mountainbike als auch für das Rennrad) sind ein Befreiungsschlag für alle Menschen mit Muschis.

Fingers Crossed:

Im Leben einer Radfahrerin kommt irgendwann der Punkt, an dem das Outfit auf dem Fahrrad wichtiger ist als das beim Ausgehen. Mein Kleiderschrank ist eine Momentaufnahme aus dem Jahr 2012, aber wenn ich kurze Söckchen in Radschuhen sehe, empfinde ich das als ästhetische Beleidigung – „absolutes No-Go“. Morgens in eure Socken zu schlüpfen gibt mir so viel Selbstbewusstsein wie anderen Frauen Highheels. In ihnen fühle ich mich einfach schön. Und das ist nach fünf Tagen ohne Dusche und Spiegel echt nicht selbstverständlich.

SRAM:

Erst wollte ich diesen modernen Quatsch nicht an meinem Rad haben: bestimmt zu kompliziert, sicher zu anfällig. Doch dann gewöhnte ich mich an das intuitive Schalten der eTap-Gruppe, das selbst unter Last so gut funktioniert. Wenn durch das Gepäck am Rad schon ein kleiner Anstieg zur Qual wird, kommt einem der motorisierte Gangwechsel zur Hilfe wie ein sorgender Vater. Zuverlässig legt er seine starke Hand auf den Rücken und sorgt dafür, dass sich alles etwas leichter anfühlt, auch wenn er nur minimal anschiebt. Es ist ja nur das Bewegen von Umwerfer und Schaltwerk, das mir die kleinen Motoren abnehmen, aber wenn eh schon alles anstrengend ist, ist das enorm viel. Den Akku am Schaltwerk musste ich nach 643 und 795 Kilometern tauschen, den am Umwerfer während der 1460 Kilometern langen Reise gar nicht. Ich gehe mal nicht davon aus, dass ihr diese Schaltung für’s Bikepacken entwickelt habt. Aber für mich wurde das Surren zu einem zuverlässigen Begleiter, den ich nicht mehr hergeben will.

Cannondale:

Auch wenn es so filigran wirkt wie ein Scherenschnitt, ist mein high-end Rennrad so hart im Nehmen wie mein robustes Enduro-Bike – und noch dazu vielseitiger: Ich bewältige mit ihm große Distanzen, fahre über Schotter und leichte Singletrails, belade es mit kiloweise Gepäck und komme trotzdem zügig voran – ohne technische Probleme, ohne auch nur einen einzigen Platten. Aber weil ich öfters die Reste von eurem Catering esse, nachher bei euch Kaffee trinke und euer Marketing Typ zufälligerweise mein Ehemann ist, glaubt mir eh niemand, dass ich das hier unbefangen schreibe. Egal. Danke für dieses wunderschöne Fahrrad, liebe Ingenieure von nebenan. Es war mein Lichtblick in den dunklen Mountainbike-freien Wochen. Ehrlich gesagt will ich gar nicht mehr so oft aufs Mountainbike, seit das Synapse in der Garage steht. Was habt ihr nur getan?!

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