meeting trails #2 – Jamnica, Slowenien

Ferien auf dem Bauernhof meets Trailcenter meets Guiding Agentur meets Ökofarm – so in etwa lässt sich beschreiben, was einen in Jamnica erwartet. Doch alle Bezeichnungen klingen blass und leblos im Vergleich zu einem Ort, der so magisch ist, dass er Reisende einfach nicht mehr gehen lässt. 

„Wer das schöne Land Kärnten in südlicher Richtung durchwandert, gelangt eines Tages an die gewaltige, breite Bergmauer der Karawanken. Und wenn er deren wild zerklüfteten Kamm erklimmt, über den die Grenze Österreichs verläuft, dann blickt er auf der anderen Seite hinab in das sonnige, an herrlichen Urwäldern und Seen reiche Land der Slowenen.“

So beginnt das Märchen von Zlatorog, einem Gemsbock mit goldenen Hörner, aus dessen Bluttropfen Triglav-Rosen sprießen. Wer es schafft, ihm eines seiner goldenen Hörner zu entreißen, dem winkt ewiger Reichtum: Sie sind der Schlüssel für die über und über mit Gold und Schätzen gefüllten Höhlen im Berg Bogatin.

Unser Märchen beginnt ebenfalls mit einer Überquerung der Karawanken. Wir hatten einen Roadtrip geplant, Jamnica sollte das erste Ziel sein. Doch einmal dort angekommen, kamen wir nicht weiter. Es war, als ob ein Bann auf uns läge, der uns vom Fortgehen abhielt. Als ob wir Höhlen voller Gold und Schätze entdeckt hätten, von denen wir uns nicht losreißen konnten. Und so blieben wir – Nacht, um Nacht, um Nacht, um Nacht. Wie konnte es soweit kommen?

FAMILIE STRUCL UND IHR GEHEIMNIS

Die Strucls sind eine ungewöhnliche Familie. Gemeinsam betreiben sie in Jamnica die Farm Koros, die sie vom Biobauernhof zu einem Bikehotel umgewandelt haben. Dixi ist Geograf, seine Frau Suzana Geologin, ihr Sohn Anej Guide, Ausbilder und Trailbauer. Eine Familiendynastie, die sich voll und ganz einem nachhaltigen, lokalen Mountainbiketourismus verschrieben hat. Ihr Haus verströmt Wärme und Gastfreundschaft, ihr Lebenswerk ist geprägt von Visionen und Leidenschaft. Bei allem, was sie tun, strahlen sie Ruhe und Zufriedenheit aus. Was auch immer ihr Geheimnis ist – es macht, dass man dieses Haus nie wieder verlassen will.

DER VERWUNSCHENE SINGLETRAIL PARK

Rund um die Farm zieht sich ein fein verästeltes Netz von handgemachten Trails – dem hauseigenen Singletrailpark Jamnica. Dixi und Anej bauen sie gemeinsam mit Locals, alle von Hand, ohne schwere Maschinen. Mit kaum 300 Metern Höhenunterschied sind sie in ihren unzähligen Varianten ein riesengroßer Waldspielplatz.

TRAILS AUS WOLKEN

Manche der Trails bestehen aus Wolken. Manche auch aus Eischnee oder aus frischem Powder. Zumindest fühlt es sich so an, wenn man über den sanft federnden, unverdichteten Waldboden fährt und sich kopflos an jedem Kurvenausgang vom fluffigen Untergrund auffangen lässt. Jenseits des Singletrailparks gibt es unzählige, geheime Wege, die so selten befahren werden, dass sie aus Träumen zu bestehen scheinen. Keine Karte, weder auf Papier noch online, gibt ihre Lage preis. Nur wer den Locals zuhört und isch von ihnen führen lässt, wird sie finden.

UNSICHTBARER STRAND

Obwohl kein Meer, nicht einmal ein See in der Nähe ist, fühlt man sich auf der Farm wie am Strand. Im Garten liegend, ein gutes Buch lesend, den Körper in der Sonne bratend verspürt man irgendwann den Drang nach Bewegung. Man schlüpft in die Bike-Klamotten, greift das Bike und stürzt sich in einen der Trails wie in die Wellen. Nach ein oder zwei Abfahrten kehrt man erfrischt und ausgetobt auf Handtuch zurück, um weiter vor sich hin zu dösen. Man lauscht dem Rascheln der Blätter im Wind, bis die Sauna heiß genug für den ersten Gang ist.

ZAUBERTRÄNKE

Ein Großteil der Lebensmittel stammen auf der Farm aus eigenem Anbau, der Rest kommt von benachbarten Höfen. Das Essen bereiten die Strucls selbst zu. Suzana sieht man Nachmittags oft im Garten beim Sammeln der Zutaten. Und so landen die Brennesseln, die doch eben noch Unkraut waren, als köstliche, giftgrüne Suppe auf den Tellern der hungrigen Gäste.

FABELHAFTE TIERWESEN

In Jamnica haben die Tiere das Sagen. Kälbchen werden mitten auf den Trails geboren, Katzen verlangen stundenlanges Kraulen und nachts werden die Bikes von der großen, zottelige Hündin Luna bewacht. Hasen, Rehe, Ziegen, Gämse, Weinbergschnecken, Pferde, Füchse, Feuersalamander – es kreucht, fleucht, trippelt und hüpft überall. Man trifft nur auf wenige menschliche Seelen in diesem von Tieren regierten Königreich: man ist nur ein Gast, und das ist gut so. Die laute Menschenwelt scheint hier ganz weit weg zu sein.

GOLD UND SCHÄTZE

Der Gamsbock Zlatorog mag den Schlüssel zu Gold und Schätzen haben, in Jamnica kann man getrost darauf pfeifen. Nach einer Woche mit guten Freundinnen auf diesen Trails ist man ohnehin reicher als ein Millionär. Reich an Erinnerungen, reich an neuen Ideen, reich an Geschichten, reich an Erholung. Den ganzen Körper durchströmt ein wohlig warmes Gefühl der Zufriedenheit, der perfekt austarierte Schwebezustand zwischen Entspannung und Anstrengung. Jamnica ist ein märchenhafter Ort, fast zu schön um wahr zu sein. Zu wissen, dass es ihn wirklich gibt, ist wertvoller als jeder Goldschatz.

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INFO:

Jamnica befindet sich direkt hinter der slowenisch-österreichischen Grenze, zwischen Bleiburg und Dravograd.

Das Bike- und Ekohotel Koros ist das zu Hause der Strucls und das Herztstück des Singletrailsparks. Die Zimmer sind einfach, aber gepflegt (Kosten: ab 30€ p.P.). Es gibt einen Stellplatz für Wohnmobile. Der wahre Luxus ist das Essen und das schier unendliche Wissen der Strucls, wenn es ums Thema Mountainbiken in Slowenien geht. Mit Bike Nomad, der Guiding Agentur, bieten sie Trips und Mehrtagestouren im ganzen Land an. Anej ist ein ausgezeichnter Guide und begnadeter Mountainbiker. Die slowenische Enduroserie macht jedes Jahr halt in Jamnica und ist EWS-Qualifier.

Hier geht es zur Homepage von Bike Nomad und der Farm Koros.

 

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