Il grande Finale

In ferner Zukunft, wenn wir alt und schrumpelig sind, werden wir immer noch nach Finale fahren.

Auf der kurvigen Autostrada dei Fiori werden wir von Truckerfahrern wütend angehupt werden, weil wir mit 70 über die rechte Spur schleichen.

Wir werden auf dem Campingplatz Tahiti einen Dauerplatz haben, seit 50 Jahren, von Gartenzwergen bewacht.

Wir werden unsere müden Knochen auf der Bank vor der Gelateria Carlin niederlassen und langsam und sabbernd Cremino schlecken.

Auf der Piazze Vittorio Emanuele II werden Rentner wie wir vorbeischlurfen. Sie werden knallbunte Bike-klamotten tragen, die irgendwann 2016 mal in Mode waren. Wir werden uns mit unseren kurzsichtigen Augen gegenseitig abchecken.

Morgens werden wir unsere Rollatoren vor dem Ultimate Bikeshop parken und unsere Bikes von jungen, gut aussehenden Italienern auf den Hänger laden lassen. Im Shuttle wird man sich erzählen, wer nun schon wieder gestorben ist. So manche Witwe wird so manchem Witwer ein bisschen näher rücken auf der mit Plastikplanen überzogenen Rückbank.

Als erstes werden wir auf den Melogno fahren und anschließend den Rollercoaster – so wie wir das immer machen, seit wir denken können. Wir werden uns wie zu Hause fühlen, und es wird sich gut anfühlen.

Die Natobase wird nur noch ein Stahlgerippe sein, aber die Trails immer noch die gleichen. Manche Dinge ändern sich einfach nicht.

Abends werden wir mit unseren zahnlosen Mündern Aperol Spritz durch Strohhalme trinken. Wir werden gemeinsam mit Freunden über die alten Zeiten schwärmen. Weißt du noch damals, als Finale Freeride noch die einzigen waren, weißt du noch, der große alte Schäferhund, der immer vor ihrem Büro lag uns schlief.

Wir werden nachts zum Strand gehen und uns irgendwie immer noch jung fühlen, wenn wir nackt im Meer baden. Die grauen Haare werden noch tagelang nach Salz schmecken, so wie früher. Du wirst mir zärtlich meinen faltigen Körper abtrocknen und ich dir einen Kuss auf deine altersfleckige Glatze geben.

Unsere Urenkel werden sich darüber lustig machen, dass wir jedes Jahr immer an den gleichen Ort zurückzukehren, und das, seit wir jung sind. Sie werden uns Spießer nennen. Es wird uns egal sein.

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Liebe Hannah
    Wie wahr deine Story ist – so toll. Im Freundeskreis haben wir auch schon über genau dieses Thema philosophiert. See you in Finale in ferner Zukunft…

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