Die Macht der Bewegung – warum Pumptracks die Welt verändern können

Ich schreibe diesen Artikel nicht ohne Hintergedanken. Seit ein paar Tagen läft das Crowdfunding meines Vereins für einen Pumptrack in Freiburg. Natürlich will ich, dass ihr spendet. Aber vorher erkläre ich, warum mir das Projekt so am Herzen liegt – und warum jede Stadt einen Pumptrack braucht.

Pumptrack Fahren macht Spaß: Man kann seine Kurventechnik verbessern, Manuals üben, bei Regenwetter draußen sein ohne sich völlig einzusauen und nebenbei noch was für seine Ausdauer tun. Ich würde wirklich gerne öfters Pumptrack fahren können. Doch das alleine ist nicht der Grund, warum ich mich seit zwei Jahren im Mountainbike Freiburg e.V. für den Bau eines asphaltierten Pumptracks in unserer Stadt einsetze und einen nicht unwesentlichen Teil meiner Freizeit damit verbringe, Politik, Verwaltung und Bürger von den Vorteilen von Pumptracks zu überzeugen. Es geht noch um ein bisschen mehr.

Meine Faszination für Pumptracks begann, als ich das erste Mal von Konrad Willar aus Stuttgart hörte, der wie ich Sozialarbeiter ist. Für ein Jugendhaus baute er seinen ersten Pumptrack, viele weiter folgten. Mittlerweile stehen Pumptracks von ihm in ganz Deutschland. Über seinen Ansatz, Pumptracks in der Jugendarbeit einzusetzen, begann ich mich im Rahmen meines Studiums mit der Thematik zu beschäftigen. Und lernte: Pumptracks sind viel mehr als ein netter Zeitvertreib. Sie haben das Potenzial, wirklich etwas zu bewegen – im wörtlichen Sinne!

Pumptrack von Konrad Willar in Merchingen-Ravenstein
Pumptrack von Konrad Willar in Merchingen-Ravenstein

Bewegung macht Kinder stark

Kinder brauchen Bewegung, um zu selbstbewussten, sozial kompetenten, gesunden Erwachsenen heranzuwachsen die wissen, dass sie ihre Umwelt verändern können. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, oder? Leider nicht. Denn in der heutigen Zeit werden Gelegenheiten, in denen Kinder sich frei bewegen und austoben können, immer seltener. Der Tagesablauf ist zunehmend durchgetaktet, die Überbehütung nimmt zu, das Angebot an digitalen Aktivitäten ebenso – die Gründe für Bewegungsmangel sind vielfältig.

Das Problem ist längst erkannt und eine Vielzahl von Experten und Initiativen versucht, etwas daran zu ändern. Eine von ihnen ist die Bundesarbeitgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung, die sich für die Schaffung bewegungsanimiereneder Lebensumwelten von Kindern einsetzt. Sie verleiht den Pumptracks von Willar das Siegel „besonders entwicklungsfördernd“ und schreibt:

„Die zentrale Idee von Pumptrack ist es, Kinder dazu zu bringen sich auf Rollen und Rädern zu bewegen, um einerseits die damit in Verbindung stehenden Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie physischen Eigenschaften, wie Ausdauer, zu fördern und sie andererseits zur nachhaltigen Nutzung eines Fahrgeräts zu motivieren.“

– Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung in „besonders entwicklungsfördernd“

Bewegung ermöglicht Kommunikation

In der Broschüre heißt es weiter, dass Pumptracks durch ihre Niederschwelligkeit zu einem attraktiven Kurzausflugsziel für die ganze Familie werden. Damit ist ein weiteres Potenzial von Bewegung angesprochen: ihre Macht, Menschen zusammenzubringen.

Zwischenmenschliche Kontakte sind ein kostbares Gut. So kostbar, dass sie von vielen Soziologen und Sozialwissenschaftlern als ein elementarer Baustein für die nachhaltige Entwicklung einer Stadt oder einer Region angesehen werden. Nur dort, wo Menschen zusammenkommen, sich gegenseitig helfen, sich für gemeinsame Ziele stark machen, kann sich Wohlstand entfalten. Voraussetzung dafür sind Gelegenheiten, die es ermöglichen, die alltägliche Anonymität zu durchbrechen. Ich wette jeder Mountainbiker weiß aus eigener Erfahrung, dass Sport eine solche Gelegenheit ist.

Die Wissenschaft bestätigt diese Erfahrung: in Montreal wurde die Einrichtung einer öffentlich zugänglichen Eisfläche in einem Wohnviertel evaluiert. Das Fazit ist eindeutig:

„It appears that the outdoor rink has become much more than a place for practicing sport; it has become a place of socialization“

– Romain Roult in „Sport and Communities“

Die Eisfläche wurde zu viel mehr als einem Ort der Bewegung, sie wurde zu einem Ort der Sozialisation. Den Bewohnern fiel es viel leichter, über das Eislaufen Kontakt zu knüpfen, ein Großteil der Kinder und Jugendlichen berichtet darüber, auf der Eisfläche Freundschaften gewonnen zu haben, Kontakte zwischen unterschiedlichen Generationen entstanden. Die Eisfläche wurde fundamentaler Bestandteil für sozialen Zusammenhalt in der Nachbarschaft  – und das nicht nur gefühlt, sondern wissenschaftlich bestätigt.

Bewegung als Lösung für globale Herausforderungen

Wir befinden uns mitten Zeiten eines rasanten sozialen Wandels: globale Entwicklungen wirken sich direkt auf unser Umfeld und unser Leben aus. Der Klimawandel ist in vollem Gange, die Gesellschaft wird älter und pluraler, die Städte wachsen, während ländliche Regionen immer verlassener werden. Es ist ein komplexes Gefüge von unterschiedlichen Entwicklungen, deren Auswirkungen wir jedoch zu spüren bekommen – und zwar mitten in unserem Alltag.

Bewegung ermöglicht noch mehr als Kommunikation und persönliches Wachstum. Bewegung trägt zu Gesundheit bei (was in einer älter werdenden Gesellschaft so wichtig ist), sie kann Identifikation stiften (wie gut es tut, in einer großen Stadt einer Sportgruppe zuzugehören!) und nicht zuletzt ist sie Voraussetzung für eine nachhaltige Mobilität – Fahrräder fahren schließlich nicht von alleine! Man kann über dieses Thema ganze Bücher füllen (was Sport- und Sozialwissenschaften auch tun), im Grunde geht es aber um diesen Kern: Städte und Dörfer werden den sozialen Wandel kaum bewältigen können, wenn die Menschen zu Hause auf dem Sofa sitzen bleiben.

Das Fazit: wer Menschen bewegt, bewegt die Welt

Jetzt kannst du natürlich sagen – schön und gut, aber was geht mich das an? Natürlich gar nichts, es sei denn, du kennst dieses Gefühl der Ohnmacht gegenüber all den schrecklichen Dingen, die in der Welt passieren, während du fröhlich Mountainbike fährst. Ich kenne es jedenfalls ziemlich gut. Ich weiß, wie privilegiert ich bin, einen so teuren Sport in so intakter Natur treiben zu können und wünschte, ich könnte mehr Menschen daran teilhaben lassen. Ich weiß auch, dass ich vielen Dingen in der Welt – Krieg, Flucht, Klimawandel, Populismus – nicht viel entgegensetzen kann. Aber ich weiß ebenfalls, dass man mit kleinen Veränderungen in seinem Umfeld einen Unterschied machen kann. Und dass gerade die lokale Ebene – unsere Städte, unsere Regionen – der Ort ist, an denen wir uns den globalen Herausforderungen stellen können und müssen.

Ich möchte in einer Stadt leben, in der es überall Orte gibt, an denen Kinder zu starken Persönlichkeiten heranwachsen können – und sich dabei schon früh ihn Fahrräder verlieben. Eine Stadt, die ihren Bewohner Möglichkeiten eröffnet, aus der Anonymität zu treten und sich kennenzulernen. Die ihre Einwohner nicht auf ein paar Merkmale reduziert – Kinder, Erwachsene, Konsumenten – sondern zum Austausch zwischen ihnen anregt. Ein Pumptrack ist natürlich nur ein kleiner Beitrag dazu. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

Unterstütze die Initiative „Ein Pumptrack für Freiburg“ jetzt mit einer Spende – steuerlich absetzbar, 100% fließen direkt an das Projekt!

 

Schreibt mir, wenn ihr Fragen zur Initiative habt oder Tipps braucht, um euch selbst für einen Pumptrack in eurer Heimat einzusetzen!

Quellen / weiterführende Links:

Konrad Willar: Homepage pumptrack.de

Bundesarbeitsgesellschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V.: Broschüre „Besonders Entwicklungsfördernd“

Mountainbike Freiburg e.V.: Homepage des des Vereins

Romain Roult u. A. (2014): The mobilizing effects and health benefits of proximity sport facilities: urban and environmental analysis of the Bleu, Blanc, Bouge project and Montreal North’s outdoor rink. In: Hassan, D. (Hg.): Sport and communities. London.

Ein Kommentar

  1. Eine tolle Idee. Da kann man wirklich nur hoffen, dass sich noch genug finanzielle Unterstützer für das Projekt finden lassen.

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